18.03.2021

Einschätzung der aktuellen Marktlage

Der derzeitige Markt ist unserer Auffassung nach noch von der deutlichen und nachhaltigen Erholung der Weltwirtschaft und nach wie vor der knappen Container-Kapazitäten geprägt. Die Aluminiumpreise steigen allerdings derzeit nicht nur durch die LME-Entwicklung, sondern werden zusätzlich auch durch den Anstieg der Bearbeitungspreise verteuert. So haben sich die Bearbeitungspreise für Alu-Walzfabrikate in der Legierung EN AW 5005(NQ) fast verdoppelt. 

Freilich wird der aktuelle Preisauftrieb bei Walzfabrikaten auch durch die mangelhaften und unzureichenden Verfügbarkeiten in den Lägern beeinflusst. Es ist unserer Meinung nach nicht übertrieben, wenn wir an dieser Stelle von einer „Markt-Unterversorgung“ sprechen, die natürlich je Produkt unterschiedlich ausgeprägt ausfällt.

In 2020 reduzierten die Hersteller für Alu-Bleche/-Halbzeuge die Kapazitäten und passten diese an die zu erwartende Industrieproduktion an. Im Klartext bedeutet dies bildlich, dass schlicht und ergreifend die «Öfen» abgestellt wurden oder die Schichten von 3x7 Tage auf Kurzarbeit 50% auf 5 Tage angepasst wurden. Um die Kapazitäten wieder auf das Vorniveau zu bringen, können viele Monate vergehen. Erstens aus technischen Gründen, zweitens um Rückstände aufzuarbeiten. So ist zB einer der führenden Hersteller weltweit mit vierstelligen Tonnagen im Rückstand. Das kann nicht 1 bis 3 Monaten aufgeholt werden! Insofern steigen die Lieferzeiten bei AL-Walz aktuell auf > 4-5 Monate.

Die bevorstehenden Handelshemmnisse für Alu-Flachprodukte aus China haben schon letztes Jahr zu einer Veränderung des Bestellverhaltens geführt. Dies entwickelt sich aus unserer Sicht bei AL-Flachprodukten nun ähnlich, wie bereits letztes Jahr bei AL-Profilen.

Im Bereich der AL-Profile ist die Situation inzwischen ähnlich angespannt – wieso sollte sich dieser Bereich auch anders entwickeln? Hohe Nachfrage und LME-Entwicklung, addiert mit mangelhafter Versorgung von Rohstoffen (Brammen / Bolzen) – ergänzt um Handelshemmnisse = ungesunde Mischung! Je höher die Preise steigen, desto höher sind die Risiken für alle Marktteilnehmer. Vor dem Hintergrund der mangelhaften Verfügbarkeit – z. B.  bei Aluminium-Flachprodukten: inzwischen fast 5 Monate langen Lieferzeit, sind Entscheidungen mit Augenmaß und der gebotenen Vorsicht selbstverständlich. Unserer Meinung nach wird Situation nicht kurzfristig wieder dort ankommen, wo wir im April 2020 mal gewesen sind.

Im März stiegen die Legierungszuschläge für Edelstahl im vierten Monat in Folge. Wie auch bei Aluminium-Flachprodukten, haben sich die Basispreise inzwischen fast verdoppelt. Der enorme Anstieg der Legierungszuschläge zuzüglich die steigenden Basispreise, führen zu einem Preisauftrieb von fast 1000 Euro/to. innerhalb von nur wenigen Monaten. Nickel befindet sich nun seit einem Jahr im stabilen Aufwärtstrend. Die kürzlich stattgefundenen Korrekturen werden sicher zu einer Verlangsamung der Entwicklung führen, aber vor dem Hintergrund der steigenden, allgemeinen Nachfrage nach Nickel, könnte sich diese Situation auch schnell wieder auf «steigend» ändern. Der Werkstoff 1.4301 besteht allerdings nicht nur aus Nickel, daher sollten auch die anderen Entwicklungen – wie z. B. Chrompreise – im Blick gehalten werden. Der Chrombedarf dürfte sich auch weiterhin, aufgrund der steigenden Edelstahlproduktion stabil entwickeln. Bitte beachten Sie, dass die Ferrochrom-Preise (Quelle DERA) seit Januar 2021 um 40%und die für Chromerz um 24% gestiegen sind.  

Wie auch bei Aluminium, so also auch im Bereich der Edelstahl-Werkstoffe, sind die Versorgungsengpässe und eine bizarre Preis-Rally täglich für alle spürbar – daran ändert sich – aus unserer Einschätzung kurzfristig noch nichts.