14.10.2021

Entwicklungen Rohstoffversorgung von MAGNESIUM

Guten Tag zusammen,

die neuerlichen Entwicklungen im Bereich der Rohstoffversorgung von MAGNESIUM geben uns Anlass dieses Thema hier aufzugreifen und Sie zu informieren. Wir bitten Sie diese Situation für Ihr Unternehmen genau zu bewerten und hierzu auch Vorsorge zu treffen. Dazu folgende Auszüge aus Berichten und Informationen der Verbände:

Mit einem Anteil von 87 Prozent an der Produktion hat China ein nahezu vollständiges Monopol auf die weltweite Magnesiumproduktion. Etwa 45 Prozent aller chinesischen Ausfuhren sind für Europa bestimmt.

Deutschland und Europa sind auch deshalb besonders stark von den Lieferengpässen betroffen, da im Jahr 2001 Europa gezwungen war, seine verbleibende Magnesiumproduktion als Folge von gedumpten chinesischen Einfuhren zu schließen.

Die Folge ist, dass die chinesischen Ausfuhren heute 95 Prozent des Magnesiumbedarfs in Europa decken und damit eine fast vollständige Abhängigkeit besteht.

Magnesium steht seit 2017 auf der Liste der kritischen Rohstoffe der EU. Die Europäische Kommission hat dies in ihrer Mitteilung zur „Widerstandsfähigkeit der EU bei kritischen Rohstoffen: Einen Pfad hin zu größerer Sicherheit und Nachhaltigkeit abstecken“ im September 2020 nochmals bekräftigt. Politisch-strategische Überlegungen und Maßnahmen zur Sicherstellung des Lieferflusses blieben bislang jedoch aus.

Die starke Verknappung von Magnesium führt bereits zu Rekordpreisen, erzeugt weltweite Verzerrungen am Markt und kündigt enorme Störungen in der Lieferkette an.

Hintergrund vor einigen Tagen hat die Entwicklungs- und Reformkommission (DRC) der Stadt Yulin ein neues Dokument zur Erreichung der Ziele für die Verringerung der Energieintensität und des Energieverbrauchs bis 2021 veröffentlicht. In diesem Dokument wird geregelt, dass wichtige energieintensive Industrien oder Unternehmen ihre Produktion von September bis Dezember entsprechend reduzieren oder einstellen sollen.

Dies betrifft auch andere energieintensive Industrien oder Unternehmen, die Magnesiumproduktion jedoch in besonderem Maße. Anhand unterschiedlicher Quellen kann angenommen werden, dass bis jetzt mindestens 31 Magnesiumwerke in den weltweit wichtigsten Magnesium-Produktionszentren der Welt, den Provinzen Shaanxi und Shanxi, entweder stillgelegt wurden oder ihre Produktion um 50 Prozent senken mussten.

Die derzeitige Magnesiumknappheit ist ein klares Beispiel für die Abhängigkeit Deutschlands von chinesischen Importen und den damit verbundenen Risiken.

Angesichts eines drohenden internationalen Lieferengpasses von Magnesium aus China fordern die Wirtschaftsverbände WV-Metalle, der WGM und der VDM die deutsche Regierung auf, dringend diplomatische Gespräche mit China einzuleiten. Befürchtet wird eine Situationsentwicklung ähnlich der Chip-Krise. Das kann bedeuten, dass u. a. die Produktion der Aluminium-Bänder, Bolzen oder Profilherstellung vorübergehend stillgelegt werden muss. Hierzu erhalten wir von Seiten der Aluminium-Hersteller bereits schriftliche Informationen und Ankündigungen möglicher Auswirkung auf die Produktion.

Es wird erwartet, dass die Magnesiumvorräte in Deutschland, bzw. ganz Europa spätestens in einigen Wochen, bzw. Ende November 2021, erschöpft sein werden. Bei einem Versorgungsengpass dieses Ausmaßes drohen somit massive Produktionsausfälle.

Betroffen ist die gesamte Aluminium-Wertschöpfungskette mit Sektoren wie der Automobil-, Flugzeug-, Elektrofahrrad-, Bau- oder Verpackungsindustrie sowie dem Maschinenbau. Andere Magnesiumverarbeitende Sektoren sind der Druckguss sowie die Eisen- und Stahlproduktion.

Die Situation im Bereich Magnesium könnte in Zukunft nicht die einzige sein, die sich aufgrund o. a. Kriterien so entwickelt. Wir erwarten auch im Bereich Edelstahl (Nickel, sowie andere Legierungselemente, Erz/Koks, Gummi, Glas, Kunststoffe usw.) mögliche Szenarien. Auch zusammenhängende Faktoren, d. h. die Verzweigung der Industrie-Segmente untereinander sind betroffen.

Stillstand kann bedeuten, dass auch andere Werkstoffe betroffen sind, da die daraus produzierten Produkte entweder aktuell gar nicht benötigt oder nicht verbaut werden können, oder gar noch wegen fehlender Reifen transportiert werden.  Die Abhängigkeit von internationalen Märkten und insbesondere China ist zu groß, als dass man sich in Sicherheit wiegen könnte.

Die Situation wird von uns, zusammen mit den Verbänden, in denen wir Mitglied sind verfolgt und die Maßnahmen / Auswirkungen erörtert. Gerne informieren wir Sie zeitnah über weitere Entwicklungen. Wir stehen für weitere Rückfragen gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüße / Best regards,

Thomas Kaspari

Geschäftsführer / CEO